Die Malerei, insbesondere die figurative, ist unerschöpflich und spannungsvoll in den Bildsprachen, Ausdrucksformen, Zielsetzungen und bildnerischen Prozessen, in Wahrnehmungen und Wirklichkeiten. Und so haben sich eine Malerin und fünf Maler im Schlösschen Vorder-Bleichenberg zusammengetan, um ihren «unwiderstehlichen Drang zur Figuration» vorzustellen als ein vielgestaltiges Universum individueller Bildgeschehen.
Corinne Güdemann, Zürich, setzt auf klassische malerische Genres. Doch in ihrer subtilen Ölmalerei auf Holz geht es nicht um kunstgeschichtliche Erkenntnisse. Sie zeigt anhand tradierter Interieurs jene musealen Situationen, wenn nicht mehr Gemälde, sondern Raum, Licht, Spiegelungen, sich verschiebende Perspektiven, Malerei und Betrachter ineinanderwirken.
Urs Aeschbach aus Basel zeigt plakativ-figürliche Inszenierungen vor farblichtem Hintergrund. Dazu hat er kleine Tierfigürchen arrangiert, fotografiert, als Raster auf die Leinwand kopiert und dann ebenfalls traditionell pastös und grossformatig gemalt. Die Figurationen erscheinen faszinierend raumgreifend-plastisch, er bricht die eigenwillige Ästhetik jedoch auf, denn jedes Tier ist versehrt, das Schöne zeigt sich verletzlich.
Jonas Baumann, er war an der 40. Kantonalen Jahresausstellung Solothurn zu sehen, zeigt eine Auswahl seiner eigenwilligen «taktilen, analogen Malerei». Gegenständliche Objekte, durchaus erkennbar, manches skurril abgewandelt, arrangiert der in Basel geborene und lebende Künstler zu phantasievollen Szenarien. Surrealen Bühnenbildern gleich, die durchaus assoziativ aus Zeit und Raum heraus agieren.
«Der unwiderstehliche Drang zur Figuration», das zeigt sich hier, sind auch Geschichten, Momente, Bewegtes und Bewegungen, innerer Ausdruck und eigenwillige Kreativität. Giampaolo Russo aus Zürich malt ganz traditionell im Atelier und nach Modell. Seine Arbeiten in Kohle und Tusche indes sind keine klassischen Ateliersituationen. Seine Porträts hat der Künstler in expressiver Manier das Intime in heftige schwarze Wolken entrückt. Andere verdichtet Giampaolo Russo in ausdrucksstarker Einfachheit.
Mattania Bösiger, in Bellach geboren und aufgewachsen, in Basel lebend, realisiert seine Bilder als Wechselwirkung digitaler und analoger Bildprozesse. KI-generierte Themen, meist dramatische Momente, aber auch Alltagsobjekte werden als reale Sujets malerisch in Öl umgesetzt, wobei die digitale Realität suggestiv bleibt, im Bild als fotografische Wahrnehmung irritiert, und in den Collagen eine surreale Spannung der verschiedenen Ebenen aufbaut.
Jan Hostettler aus Rüttenen, in Basel lebend, nähert sich dem malerischen Prozess über gefundene Artefakte, die er zermalt oder auch verbrennt, um mit dem derart generierten Mehlmaterial als Farbpigment die Fundstücke, wandfüllend vergrössert, auf die Leinwand und damit das Vergängliche in die Zeitlosigkeit zu transformieren. Die plastische Wirkung ist eindrücklich.
Bis 18. 5., Öffnungszeiten: Mi + Do 16-19 Uhr, Sa + So 14-17 Uhr. Vernissage, Samstag, 26. 4., 17 Uhr. Führung Sonntag, 11. 5, 14. Uhr. Matinée, Sonntag, 4.5.,11 Uhr





