Alles ist miteinander vernetzt, alles hängt irgendwie zusammen, das Widersprüchliche und das Gemeinsame von Material und Thema, von organisch und technisch, von Intuition und Inspiration, klarer Struktur und philosophischer Einheit, von Zeichnung und Raum.
Es ist Fraenzi Neuhaus' künstlerisches Lebensthema, die zeichnerische Komponente zu materialisieren, das Lineare plastisch zu verwandeln. Es sind denn auch diese sorgsam durchdachten, sich gegenseitig bedingenden Dualitäten von Natur und Synthetik, von Leichtigkeit und Konstruktion, die ihr facettenreiches, dabei unverkennbares Schaffen auszeichnen. Sei es als schöpferische Beziehung von Materialität und künstlerischer Idee, sei es als intensiver Entstehungs- und Denkprozess und das Herausfordernde philosophischer Betrachtungen.
Immer wieder reflektiert die Künstlerin aus Solothurn ihre Idee der «Netzwerke», ob als räumliche oder als bildnerische Arbeiten in Mischtechnik oder hinter Glas. Sie arbeitet mit neusten technischen Medien wie dem Filament, einem 3-D-Produkt, und einer Art 3-D-Stift, um mit verschiedenen Materialien – Holz, Kunststoff, Glas – hoch erhitzt ihre plastischen Objekte ganz klassisch von Hand zu zeichnen, dabei das Lineare ins Dreidimensionale zu verwandeln. Wie zum Beispiel ihre Wandobjekte im ersten Raum. Mehrschichtig übereinander gelegt, fügen sich naturhaft geführte und freie Gesten zu einer erstaunlich suggestiven Tiefenwirkung. Die Transparenz kalligrafisch-luftiger Bewegungen und Verknüpfungen, verschiedene Materialien und lineare Strukturen, floral bewegte und grafische Geflechte, Beigaben aus der Natur wie Zweige, Beeren und auch Zederzapfenschuppen verknüpfen in feinen Farbkontrasten oder in Schwarzweiss das Spannungsfeld von Natur und Künstlichkeit. Auch hier wirken verschiedene Ebenen in einem inneren, subjektiven Zusammenhang.
Wie Naturgestaltiges in einem künstlerischen Prozess sich wandeln und verändern kann, zeigen die Wandobjekte «Wandlung» im zweiten Raum. Schwarze, dicht verflochtene Filament-Gebilde formen sich zu Verpuppungen, lassen nach aussen Drängendes erkennen – und sind Naturempfinden und Kunstanspruch zugleich.
Fraenzi Neuhaus entwickelt ihre gestalterischen Grundsätze gleichermassen im zeichnerisch-malerischen Werk fort. Im Gewölbekeller bieten zwölf zusammenhängende Bildtafeln «Verwachsen, Bewachsen» aus der Serie «wwwl» in Mischtechnik auf Pappelholz eine sich makroskopisch lesbare Vernetzung aller mikroskopischen Wesen. Alles steht mit allem in Verbindung, steht in unabdingbarer Beziehung und ist doch nur eine Auswahl aus einem grösseren Komplex, der wiederum nur ein Ausschnitt eines unendlichen Gefüges ist. Im zweiten Raum zeigt der «Knoten», was die Welt zusammenhält. Frühere, plastisch gezeichnete, schwarze Stränge, auf farbig hinterlegtem, satiniertem Glas digital gedruckt, erzeugen einen rätselhaften Effekt: unnahbar, fremdartig einerseits, andererseits, aus der Nähe betrachtet, zeigen sich auch stachelartige, abwehrende Körper.
Bis 18. Mai. Öffnungszeiten: Fr 18-21, Sa 15-18 Uhr, So 11-14 Uhr. Vernissage, Sonntag, 27.4., 11.30 Uhr. Im Rahmen des Kulturtags Thal 18.5., 13.30 Uhr, findet ein Kunstdialog der Künstlerin mit Marina Stawicki Stalder statt.



