Ob nun das Motiv des «Körpers» oder der «Badenden», es ist ein seit Jahrtausenden immer wiederkehrendes klassisches Thema in der Kunst; insbesondere in der Malerei als Ausdruck der jeweiligen Epochen und künstlerischen Bildsprachen von der Antike über die Renaissance bis zur zeitgenössischen Gestaltung, von Rembrandt über Ingres, Goya, Delacroix bis zu Cézanne, Gauguin, Matisse. Vor allem an Cézanne, aber auch Rembrandt, knüpft der Langenthaler Max Hari an, nicht als Paraphrase, sondern viel mehr als Faszination mit der Thematik des Körpers. Denn nicht das Idealbild antiker Schönheit, nicht der voyeuristische Blick durchs Schlüsselloch interessiert ihn. Seine «Körper» und «Badenden» stehen für die bildnerische Reflexion und Auseinandersetzung mit den Schattenseiten des Menschen, des Menschseins auch in den tragischen Ebenen, dem Körper als Haltung, Leiden, Leben, als Grenzsituation menschlichen Seins, der Verletzlichkeit und Dünnhäutigkeit, der Labilität und Versehrtheit, der Vision trügerischer Idyllen, die doch nur verloren sind.
Auch wenn Max Haris malerisches Sprachmittel unverkennbar ist, diese energische, expressive Pinselführung, der teils wuchtige Farbauftrag im labilen wie mutigen Gleichgewicht von Auflösung und Neuformulierung, die Geschichten und Metaphern, die er erzählt, sind immer wieder neu und wirkungsvoll. Fast physisch wirkt das Verlorensein, das Verwundbare, beinahe Häutige, Zerrissene und Tragische dieser Figuren im ersten Raum. Farbintensive Acrylfarben formen, verweben sich, wachsen ineinander zu Haltungen, Bewegungen, Gefühlen, entziehen sich in eine abstrahiert scheinende Farbkomposition – und bleiben dennoch Körper. Das Physische reduziert und verdichtet sich ins expressiv Existentielle.
Max Haris Bilder sind Momente des subjektiv Wahrgenommenen
Max Haris noch nie gezeigten «Badenden» von 2025 im zweiten Raum, dezenter in der Farbgebung von gelb, orange, blau grün und kleinformatiger, illusionieren vermeintliche Idyllen und stehen doch für die Labilität, die Einsamkeit, für die Verlorenheit, für die unwirkliche Atmosphäre zwischen lebhafter Körperlichkeit und vager Auflösung, zwischen dem Moment einer subjektiven Nahbarkeit und rein malerischer Spannung. Diese Badenden sind Akte, körperlicher Ausdruck und keine nackten Körper, ob in der Gruppe, vereinzelt, in der Natur, am Wasser, ob in der Bewegung, in der Geste anskizziert, ob in einer Pose verharrend, ob erzählerisch oder sich den Betrachtenden im fliessenden Farbauftrag entziehend, zeichenhaft eingebettet in das Weiss des Leinwandbildrägers. Max Haris Bilder sind stets malerisch umgesetzte Momente des subjektiv Wahrgenommenen, das sich in objektiven Bildgeschichten manifestiert. Ja, natürlich ist es auch und vor allem Malerei. Malerei als Ausdrucksmittel und als Ausdruck malerischer Kraftort – und dazu, eine Geschichte, thematische Herausforderungen unerschöpflicher Inspirationen. Im dritten Raum sind seine Körper radikal auf zeichnerisch-malerische, monochrome Schattenrisse eines körperhaften Augenblicks zurückgenommen.
Bis 28.9., Vernissage, Sonntag, 07.09.2025, 11.30 Uhr. Geöffnet Do/Fr 18-21 Uhr, Sa 15-18 Uhr, So 11-14 Uhr. Der Künstler ist am Sonntag, 14.9. und am Samstag, 27.9., anwesend.


