«Nicht heute», flüstert die Vernunft, während sie gleichzeitig verführerisch lockt: «oder doch?» So der etwas sperrige Titel, der in die aktuelle Ausstellung im Schlösschen Vorder-Bleichenberg locken soll. Nicht nur heute, sondern drei Wochen lang kann man mäandern zwischen wundersamen bildnerischen und installativen Stimmungen, Metaphern und Poesien.
Andrea Gerbers ungewöhnliche Installationen
Andrea Gerber, 1980 geboren, aus Schönenwerd, nimmt sich gewöhnlichen Gebrauchsgegenständen, industriellen oder elektrisch-elektronischen Geräten, Licht und Geräuschen an. Befreit sie von ihrer gewohnten Funktion und inszeniert das eigentlich Gewohnte zu ungewöhnlichen Installationen. Ein alter Plattenspieler spielt ein Sägeblatt ab zu seltsamen Tönen, eine Retro-Vitrine agiert mit den altertümlichen Tellern und skurrilen Fundstücken in rotes Licht getaucht als «Mikrowelle» mit beinahe filmischer Spannung. Der Boxball auf der alten Küchenwaage gibt sich als Leichtgewicht, der alte Fernseher umgekehrt auf dem Sandhaufen, die Rückwand hängt von der Decke, entpuppt sich als bizarrer «Blindgänger». Diese hintergründigen Momente, absurd, abgründig und manchmal auch allegorisch, zeichnen alle ihre Installationen aus. Es sind die Titel, die Hinweise geben, mal in die Irre führen und die Betrachtenden auf verborgene Abgründe und Doppelbödigkeiten der einst alltagstauglichen Funktionalitäten, auf das Subversive, Ambivalente bisweilen Martialische des Banalen verweisen.
Die fotografischen Bilderwelten von Rachel Bühlmann
Die fotografischen Bilderwelten in Fine Art Print von Rachel Bühlmann, 1977 geboren, sie lebt inzwischen in Niedergösgen und ist ausgebildete Fotofachangestellte, sind stille, präsente Orte, deren hyperrealistische wie präzise Ästhetik sich gleichermassen malerisch präsentieren. Ins wechselnde atmosphärische Licht der Tageszeiten getaucht, für die Künstlerin ist die Auseinandersetzung mit Orten in unterschiedlichen Lichtwirkungen sehr wichtig, schnörkellos und dennoch detailgetreu, unwirklich in aller Wirklichkeit, unmittelbar und kaum inszeniert, sind es letztendlich immer auch Geschichten, wirkmächtige, nachhaltige Eindrücke. In den «Plage Super Total» aus Dünkirchen, hochindustrielle Anlagen, wirkt ‒ fotografisch bereinigt vom Lärm und Gestank, streng in der monumentalen wie innigen Sachlichkeit ‒ eine nahbare Utopie, klingt in diesen «Ruinen der Zukunft» eine stille Poesie an. Eine untergründige Poesie, die sich auch in den Orten wie «Car Wash», die an Edward Hopper erinnern, den düster fiktionalen, vom Film «Blade Runner» inspirierten Oltner Cyber-Architekturen lesen lassen und besonders in dem schlichten Stillleben zum Ausdruck kommt.
Andrea Nottaris' Filmwelten
Den Ausgang für die Arbeiten der Oltnerin Andrea Nottaris bilden 8mm- und Super-8-Filme aus einem inzwischen reichen Archiv. Einmal projiziert sie die am Computer zusammengestellten Bildsequenzen auf die Leinwand. Um sie dann mit Acryl in verschiedenen Ebenen zu einer leichten Unschärfe der Gegenständlichkeit zu übertragen. So, wie sich Bildmomente in flüchtiger Bewegung des Erinnerns zu einer anmutigen Stimmung verweben als vager Blick in ferne Vergangenheiten eigener und fremder Geschichten. Dieses Arbeiten mit alten Filmen und den Szenen bietet überhaupt viele Möglichkeiten der bildnerischen Vielfalt und künstlerischen Umsetzungen: sei es als Pigmentdruck hinter Glas, als vielschichtige Projektion mit keramischen Farben in Glas gebrannt wie im Garten zu sehen, als Videogeschehen konzipiert aus einer digitalen Zeitdehnung. Stets subtil übereinander geschichtet, so dass sich aus den verschiedenen filmischen Rückblicken die Poesie erinnerter Vergänglichkeiten formt.
Bis 7. Dezember 2025. Geöffnet: Mi + Do 16-19 Uhr, Sa + So 14-18 Uhr. Vernissage, Samstag, 15.11., 17 Uhr.


