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«Kopf hoch» und Augen auf: Marcel Peltier in der Galerie Rössli in Balsthal

Verfasst von Eva Buhrfeind | |   Ausstellung

Mit neuen und neueren Arbeiten ist zurzeit Marcel Peltier in der Galerie Rössli, Balsthal, präsent. Der ehemalige Konservator des Naturmuseums Olten bringt etwas Fauna und eine Prise Ironie in sein schöpferisches Universum.

 

Sie wirken so einfach, diese Formen und Motive, mit denen der 1945 geborene Oltner Künstler seine unterschiedlichen Themenwelten malerisch ausformuliert und prozesshaft sichtet. Auch diese neuen Arbeiten zeigen, dass man bei Marcel Peltiers Inhalten gut hinschauen, nicht dem ersten Eindruck vertrauen soll, sondern sich auf diese eher konzeptuellen Bildgedanken einlassen und sie mit der eigenen Imagination lesen sollte. Manches scheint kryptisch, anderes sinnbildhaft oder einfach nur freigeistig – und doch lesbar trotz aller formaler Reduktion.
Der gemeinsame Nenner dieser Arbeiten in Acryl-Mischtechnik auf grundiertem Papier ist das Spiel mit dem formalen Ausdruck selber, mit dem vermeintlich Realen und dessen Illusion – und sicher auch mit den reflektierten Absichten dahinter. Wie weit ist das, was man sieht, auch das, was man wahrnimmt? Ist das, was man zu sehen meint, eine Metapher oder einfach eine malerisch-skizzierte Variante von zugrundeliegenden Denkprozessen?
In meist grauschwarzen Nuancen gehalten ‒ nur wenig Farbiges findet sich ‒ mit zügigem Pinselstrich, spielen die Inhalte mit einer fein differenzierten Widersprüchlichkeit, mit der der Künstler die Wahrnehmbarkeit einer Form und deren Wandelbarkeit, als Assoziation und Imagination immer wieder neu zitiert. Motiviert von tagesaktuellen, meist ernsten Themen, von lyrischen Impressionen ebenso wie von einer rein figurativ-gestalterischen Bildfindung.
Da befinden sich gleich zu Beginn im ersten Raum «Les fleurs du mal», die «Blumen des Bösen», in Anlehnung an Baudelaires düster-morbides Gedicht. Wandfüllend als mächtig wirkende, graue Blüten zur wuchtigen neunteiligen Collage zusammengefügt, präsentieren sie sich wie explosive Sinnbilder einer brüchigen Existenz. Expressiv in den Liniengefügen bis malerisch weich ins schon Organhafte, grossflächig gespiegelt und repetitiv in der Komposition, versinnbildlichen sie allegorisch verdichtet die aktuellen Geschehen und Problematiken, subjektiv erschaffen, individuell zu betrachten. Ihrer bildhaften Übermacht stellt der Oltner Künstler Hoffnungsvolles, Friedfertiges gegenüber. Mit leichter Poesie in Form und Idee, jeweils aus vier Blättern collagiert, bringt die «plus belle fleur» Farbe und Sanftheit zur Geltung.
Auch in den Arbeiten zur Serie «A silent way» wird auf eine eher stille Art das Eindeutige zurückgenommen, und bleibt doch auch frei assoziierbar: Schalen wie überreife Blüten oder Muscheln, Shelter, die im Ausdruck ineinander verschmelzen, schemenhaft ins Bildfeld platziert zu sein scheinen, sich figurativen Deutungen und Anspielungen entziehende malerische Spielarten. Und die mit der gleichmässig zeichnerischen Gestik etwas Florales in sich tragen.
Von 1986 bis 1997 war Marcel Peltier Konservator des Naturmuseums Olten. Und so kommen natürlich neben figürlichen Szenen wie das nebulös-filmhafte «Am Tisch» auch etwas Fauna und eine leichte Ironie in sein schöpferisches Universum. Wie zum Beispiel die «Hasenjagd», eine ebenso skurril wie einfach illustrierte Fabel. Oder der flinke Hase: Hätte er dem Ausstellungstitel «Kopf hoch» Folge geleistet, wäre er nicht «gegen die Wand gerannt».
Die sehr persönlich anmutende, schwarzweisse Fotoserie «Darkness», grossformatige emotional inszenierte Porträts des Künstlers, interpretiert unmittelbar die allgemeine und die eigene Ohnmacht gegenüber den gegenwärtigen Zeiten und Unsicherheiten.

Bis 29. März 2026. Vernissage Sonntag, 8. März 11.30 Uhr. Öffnungszeiten Fr 18-21 Uhr, Sa 15-18 Uhr, So 11-14 Uhr

 

Werke von Marcel Peltier 2026 in der Galerie Rössli in Balsthal. (Foto: Eva Buhrfeind)
Werke von Marcel Peltier 2026 in der Galerie Rössli in Balsthal. (Foto: Eva Buhrfeind)
Werke von Marcel Peltier 2026 in der Galerie Rössli in Balsthal. (Foto: Eva Buhrfeind)
Werke von Marcel Peltier 2026 in der Galerie Rössli in Balsthal. (Foto: Eva Buhrfeind)
Marcel Peltier 2026 in der Galerie Rössli in Balsthal. (Foto: Eva Buhrfeind)
Marcel Peltier 2026 in der Galerie Rössli in Balsthal. (Foto: Eva Buhrfeind)