Nichts ist, wie es scheint, und doch ist alles eins ‒ Natur. Die Natur, nicht als eindeutiges Abbild oder Impression, sondern als Wahrnehmung und Entdeckung des Vergänglichen, dessen, was bleibt im Kreislauf des Pflanzlichen und Organischen, das immer neue, scheinbar nie gesehene Formen und Strukturen, magische und eigenartige Verknüpfungen erschafft. Ob nun Wurzeln, Fruchtkapseln, Blätter, Sporen, unsichtbare Verbindungen der Flora, Verblühtes, unsichtbar Keimendes, Kreatürliches – das alles bekommt eine neue Bedeutung, eine neue Wirklichkeit, wenn die Künstlerin die Formen des Vergänglichen auseinander nimmt und aus dem gesteuerten Zufall das Gesehene, Reflektierte, Erfundene und Illusionierte auf dem jeweiligen pastell-leuchtenden, monochromen Hintergrund und in harmonischem Kontrast zu variationsreicher ‒ malerischer Natur ‒ zusammensetzt.
Denn alles hängt mit allem zusammen bei Judith Nussbaumer, 1969 geboren, als Vizepräsidentin des Vereins Alte Kirche Härkingen gleichermassen in der Kunstvermittlung engagiert: die Leidenschaft am künstlerischen Gestalten, eine ungebrochen Kreativität, die Faszination einer unergründlichen Pflanzenwelt in ihren Geheimnissen des mystischen Zerfalls, überhaupt die Inspiration einer sich stetig neu kreierenden Natura Morte. Ja, die Künstlerin überrascht immer wieder mit der Wandelbarkeit ihrer gestalterischen Ideen, wenn sie ihre persönlichen Eindrücke, das Erinnerte, das Gesammelte, die An- und Einsichten neu und frei in ihre so eigene Bildsprache übersetzt: geheimnisvoll und mehrdeutig, manches lesbar, anderes berührend, aber auch verrätselt oder allegorisch. Alles verbindet sich miteinander: Malerei, das Wesenhafte und Mystische, das Vergängliche und das Unvergängliche mit der Natur als gemeinsamer Nenner und unerschöpflicher Nährboden, in Acryl und Tusche auf Leinwand ästhetisch transformiert. Dabei geht es der Fulenbacherin, die seit einiger Zeit in Zofingen lebt, nie um ein Abbild der Natur, sondern stets um die Freiheit des künstlerischen Moments. Es ist eine Natur, die die Künstlerin auf vielen Spaziergängen mit feinem Sensorium für die kleinen Dinge aufgreift, fotografiert, in ihr Atelier in Wolfwil mitnimmt als Idee und Skript für ihre künstlerischen Interventionen und Interpretationen: abgestorbene Äste, getrocknete Wurzelgeflechte, verwelkte Pflanzen, Blütendolden, Samenköpfe, feine Gräser – das Vergängliche der Natur findet in diesen Arbeiten ihre Unvergänglichkeit, wenn sich das Wachsen und Vergehen, die allegorisch wirkenden Verflechtungen und schlichten Formen die Malerei neu erzählen.
Mit «Hybrides» ist diese Ausstellung überschrieben und zeigt in einigen Werken, wie pflanzliche und tierische Elemente zusammenwachsen zu neuen Strukturen, die mit der Eindeutigkeit spielen und hinterfragen. Hybride Phantasien, die die Möglichkeiten einer neuen Wirklichkeit imaginieren und sich wie die Metamorphosen der Malerei wie der Natur lesen lassen.
Bis 17. Mai 2026. Öffnungszeiten: Fr, 18–21 Uhr, Sa, 15–18 Uhr, So, 11–14 Uhr. Vernissage, Sonntag, 26.April, 11. 30 Uhr. Die Künstlerin ist anwesend an den Sonntagen, 3. Mai, 10. Mai und 17. Mai sowie am Donnerstag (Auffahrt), 14. Mai von 11–14 Uhr






