Es scheinen ganz einfache organische oder pflanzliche Gebilde, langsam Gewachsenes, Evolutionäres, Zelluläres, Abdrücke und Spuren einer elementaren Natur. Und doch erweisen sich diese Zeichnungen als durchaus komplex. Sei es im bildgestalterischen Prozess, sei es in der inhaltlichen Intention. Stets und als Prinzip ihrer künstlerischen Auseinandersetzung lotet die Künstlerin aus Rodersdorf in einer reduzierten Sprache die Grenzen der Zeichnung aus. Denn, was auf den ersten Blick wie malerisch abstrahierte Momente erscheint, ist ausschliesslich Zeichnung, nicht mit feinst verdichteter Linienführung, sondern mit Pinsel, Ölwachskreide als weissem Untergrund und roter Holzbeize als Farbmittel.
Im Zentrum ihres Schaffens steht auch in diesen Arbeiten die Natur, das Organische und Organhafte. Die Spezifitäten und die Besonderheiten von Baumpilzen wie zum Beispiel der Zunderschwamm gaben den Impuls für ihre Bildgestaltungen, aus denen sich jetzt die Thematik des «Morph» weiterentwickelt hat. «Morph» als nahtlose und fliessende Veränderung oder Verwandlung von einer Form oder Gestalt in eine andere, andererseits auch als kleinste bedeutungstragende Betrachtung der (Bild-)Sprache, das Morphem. Und so lassen sich die feinfarbigen bis farbkräftigen Gebilde, Organismen und Zellstrukturen ebenso als Varianten einer seltsamen Natur und einer naturhaften Fremdartigkeit lesen wie auch als kleinste Einheit eben dieser Naturen mit den humanen Organen und pflanzlichen Erscheinungen. Diese organischen Urformen skizziert die 1964 in Liestal geborene Künstlerin auf dem Papieruntergrund mit Ölwachskreide, um dann flüssige, rote Holzbeize auf diesen Wachskreidezeichnungen variierend aufzutragen. Während des Trocknungsprozesses kristallisieren sie aus und ziehen sich zusammen, bis diese – je nach Auftrag und Verdichtung – wandelbaren Spuren und Vernetzungen jene Grenze ausloten zwischen kalligrafischer Zeichenhaftigkeit und variierenden Strukturen, zwischen diffuser Transparenz und kompakter Farbmaterialität, zwischen Vegetation und Körperhaftigkeit. Und die zwar imaginativ sind und dennoch in subtiler innerer Bewegung scheinen. Denn Judith Eckert absolvierte einst eine Tanz-, Choreographie- und Bühnenbildausbildung, so fliessen diese Inspiration von Bewegung und Raum in ihre gestalterischen Intentionen ein. Ausgehend von der Urform eines Baumpilzes, der in sich wandelbar und vielgestaltig ist, erweitert Judith Eckert die Beziehung von reiner Natur und schöpferischer Projektion in ein in sich geschlossenes Geschehen von Zeichnung, Installation und Plastik: Als Porzellan- wie Tonabguss erhält die reale Natur eine plastisch wirksame Note, als Installation strahlen die roten Glasgussobjekte auf runden Spiegeln eine spielerisch-poetische Note aus.
Bis 28.Juni 2026 Geöffnet: Fr 18-21 Uhr, Sa 15-18, So 11-14 Uhr. Vernissage Sonntag, 7.6., 11.30 Uhr. Die Künstlerin ist Sonntag 7.6., 14. 6. und 28. 6. anwesend.




