Es sind sehr persönliche Inhalte, die die 1988 in Solothurn geborene Karin Späti hier in der Löiegruebe zeigt, komplex im inneren Wesen, dabei frei in der individuellen Lesbarkeit und Interpretation. «Meine Werke sind keine eindeutigen Erklärungen», sagt denn auch die Künstlerin, «meine Arbeiten entstehen aus inneren Zuständen». Und so ist der künstlerische Ausdruck für Karin Späti über den expressiven, kreativen Findungsprozess hinaus ein Freiraum, um sich von inneren und äusseren Befindlichkeiten, Einflüssen und Anforderungen zu lösen, Gefühle, Reflexionen, Erfahrungen und Erlebnisse zu visualisieren und ganz für sich auszuleben. All ihre Themen werden dabei durch einen zeichnerischen wie grafischen Ausdruck getragen, geprägt durch die intuitive wie zufällige, teils auch experimentelle Auseinandersetzung mit dem Bild an sich, mit Gefühlen, Erfahrungen, mit Schmerz und Widerstand, mit dem eigenen Körper wie dem alltäglichen Dasein.
In den grossformatigen, monochrom farbigen Holzschnitten illustrieren die gestisch schwingenden, zeichnerisch reduzierten Bewegungen eigenwillige figürliche Assoziationen. Trotz der Materialität der Bildbearbeitung, bewirken die intensiv ins Holz geschnitzten linearen Konturen eine kalligrafische, ja anekdotisch anmutende Leichtigkeit. Die kleinformatigen Tiefdruckgrafiken hingegen ‒ Radierung, Kupferstich, Aquatinta ‒ in schwarzen Nuancierungen eröffnen sich zu vielgestaltig sich vernetzenden Kosmen und chiffrierten Topografien. Expressiv in der Ausgestaltung, figurativ andeutend, bis ins Ungegenständliche verschlüsselter Seelen- und Stimmungsbilder entwickeln die fragilen Vernetzungen, die Liniengeflechte, die organischen Formen oder Zeichen brüchige wie erzählerische Möglichkeiten der Lesart und subjektiven Wirkung. Seltsam vertraut und rätselhaft gleichermassen, entdeckt man kleine wunderliche Szenen, klassisch anmutende, dicht verwobene Suchbilder, sich verschiebende Details und verdichtete Innenwelten, eine unmittelbare Körperlichkeit klingt an, Düsteres, das von Transparenz abgelöst wird, Melancholie und dezente skurrile Töne.
Mit «Miomas – Das Rauschen unter der Haut» ist diese Ausstellung betitelt und hinterfragt künstlerisch die persönlichen Erfahrungen der Künstlerin mit Krankheit, alltäglichem Chaos und Erwartungen. Doch stets lässt Karin Späti mit ihrem persönlichen Ausdruck die Betrachtenden in ihrer Freiheit der Lesart und der Resonanz. Selbst die eher marginalen Zeichnungen im Gang bleiben für die Besucher offen und individuell nachzuempfinden.
Karin Späti hat nach ihrer Ausbildung zur Hochbauzeichnerin Visuelle Kommunikation an der Hochschule der Künste Bern studiert und arbeitet als selbstständige Künstlerin und Grafikerin sowie in einem Architekturbüro in Bern.
Ab dem 19. Juni ist sie zudem in einer Gruppenausstellung im Künstlerhaus 11, Solothurn, zu sehen.
Raum für Kunst Löiegruebe, 13. Juni – 4. Juli 2026


